Verdunbilder - Rund um die Schlacht

Alles zum Thema Verdun


Sie sind nicht verbunden. Loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich

Verdunbilder - Rund um die Schlacht » VERDUN » Westfront allgemein » Freilichtmuseen: restaurierte bzw. rekonstruierte Stellungen

Freilichtmuseen: restaurierte bzw. rekonstruierte Stellungen

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten  Nachricht [Seite 1 von 1]

Wally

avatar
Entlang der ehemaligen Westfront gibt es eine Reihe von Orten, an denen Freilichtmuseen eingerichtet und / oder Stellungen restauriert bzw. rekonstruiert wurden.

Welche Orte dieser Art kennt Ihr, und wie bewertet Ihr sie?

Ich fange mit dem Lingekopf an:

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

Gemauert wurden die Gräben, wie in zeitgenössischen Berichten zu lesen und auf entsprechenden Fotografien zu sehen ist, nach den Kämpfen des Jahres 1915. Der Lingekopf wurde 1921 zum Denkmal erklärt; aller Wahrscheinlichkeit nach wurden die deutschen Gräben seit Beginn des Ausbaus zum Freilichtmuseum 1968 restauriert. Ich nehme an, dass es im Krieg auf der Feindseite eine starke Brustwehr aus Sandsäcken gab - im heutigen Zustand sind die Gräben nicht tief genug, um einem stehenden Mann volle Deckung zu bieten.

Im oberen Bild ist links das kleine, aber recht feine Museum zu sehen; die Kreuze markieren die Orte, an denen seit 1968 vermisste französische Soldaten gefunden wurden (es gibt auch schwarze Kreuze für aufgefundene Deutsche).

Viele Grüße -

Wally

Gast


Gast
Also der Lingekopf ist interessant keine Frage, mir aber schon wieder zu "künstlich" angelegt. Vieles entspricht nicht mehr dem wahren aussehen. Die Gräben waren natürlich tiefer...siehe Bild

3 Moreaulager - Argonnen am So 4 Nov 2012 - 14:50

Admin

avatar
Admin
Westlich der D63 in der Moreau-Schlucht gelegen – einige Kilometer südlich von Binarville – wurde das Moreaulager im Februar 1915 von Soldaten des 83. Landwehr-Infanterie-Regimentes gebaut und auch bis zum amerikanischen Vormarsch im September 1918 ständig besetzt. Es beherbergte etwa 850 – 1000 Mann.
Der Lagerkomplex bestand aus zahlreichen in den Hang gebauten Wellblechunterständen und einem Labyrinth aus unterirdischen Gängen.
Die Gänge waren miteinander verbunden und schützten die Soldaten vor Artilleriebeschuss.
Außerdem verfügte das Lager über einen eigenen Brunnen, Elektrogeneratoren, einer Bade- und Entlausungsanstalt und einer Schmalspurbahn.
Die Restaurierungsarbeiten werden vom Comité Franco allemand durchgeführt.

[img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img]

Weitere Fotos findet ihr hier: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
Meiner Meinung nach einen Besuch Wert! Allerdings können die Stollen nur an einem bestimmten Wochenende des Monats besichtigt werden. Hierzu kann unser Argonnen-Fachmann MorteHomme bestimmt näheres sagen.


_________________
Liebe Grüße

René

René Reuter - [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
http://verdunbilder.forumieren.com

Timo

avatar
Diese Röhren sehen ja so ähnlich aus wie im Steinbruch Haudraumont!! Interessant!!!

Gast


Gast
Hallo,

dem Anspruch "Fachmann" fühle ich mich nicht gewachsen. Wir wollen es bei "Interessiertem" belassen.

Das Moreau Lager ist i.d.R. jeden Samstag-Vormittag besetzt. Wenn ausnahmsweise niemand da ist, befindet sich am Eingang vom Parkplatz aus ein Schild mit einer Tel.Nr. Wenn man nett fragt, kommt vielleicht jemand. Besichtigen kann man das Lager oberirdisch ansonsten jederzeit.

Das Lager verändert sich ständig. Jedes Jahr im September seit Anfang der 2000er sind neben den routinemäßigen Arbeiten des Comité Franco - Allemand auch Schüler des 12. Jahrgangs eines Gymnasiums in Thale/Sachen-Anhalt eine Woche lang mit Restaurierungs- und Erweiterungsarbeiten beschäftigt.

Hier einmal ein Kartenausschnitt, der die Position des Lagers zeigt:



Das Lager gliederte sich in den Teil West, der jetzt restauriert ist/wird und den Teil Ost, der auf der anderen Seite der D 63 lag. Das Moreau-Tal wurde Ende 1914 im Wesentlichen von Teilen des LIR 83 sowie der IR 120, 124 und 127 erobert. Ab dem 29. Januar 1915, an dem ein starker deutscher Angriff Gelände bis über die Dieusson-Mulde hinaus einbrachte, wurde dann bis weit in das Jahr 1915 hinein allmählich weiter vorgestoßen. Sodann wurde mit der Anlage der Lagerbereiche im Moreautal begonnen. Weiter östlich schlossen sich andere große Lager etwa auf gleicher Höhe an, so bspw. das Lager Contzquelle, Eduard Contz war Hauptmann im IR 120, das Lager Charlottental und weiter östlich noch das Staufen-Lager. Ab dem 25.09.1918 griffen die Franzosen an und fegten dann mit der Maas-Argonnen-Offensive der Amerikaner ab dem 26.09.1918 über die verzweifelt sich wehrende 76. RID im dortigen Bereich. Am 02.10.1918 kam es zur Einschließung von angreifenden Teilen der 77. US ID im Bereich des Charlevaux-Bachs. Das Lost Batallion ist aber ein eigenes Thema wert.



Zuletzt von MortHomme am So 4 Nov 2012 - 20:18 bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet

6 La Main de Massiges am So 4 Nov 2012 - 19:51

Gast


Gast
Hallo,

Bei Massiges am östlichen Ende der ehemaligen Champagne-Front ist ein kleiner örtlicher Verein seit einiger Zeit dabei, die französischen Stellungen auf der "La Main de Massiges" wiederherzustellen. Die Deutschen nannten die besondere geologische Hügelformation auch Hand von Massiges, weil das Gelände aussieht, wie eine Hand mit ausgestreckten Fingern. Die dortige Haupthöhe hieß bei den Deutschen Ehrenberg und ist auf den franz. Karten mit Montrouet bezeichnet. Dort war in geringerem Umfang auch Minenkrieg. Die Stellung wurde bis zur franz. Großoffensive in der Champagne am 22.09.1915 von den Deutschen gehalten und stark befestigt. Sie war nach ihrer Rückeroberung durch die Franzosen das Pendant zum deutschen Kanonenberg sowie Kreuzberg (La Justice). In beiden Hügeln waren große Stollenanlagen eingebracht worden, ebenso im Bereich des Ehrenberges.

Ich war das vorletzte Mal 2009 dort oben. Da war noch völlig unberührte Landschaft zu sehen. Es lagen haufenweise Überbleibsel der Schlacht herum, bspw. ein Berg von F1-Handgranaten, Helme, Essbestecke, deutsche wie französische Wasserflaschen, Massen an Blindgängern etc. Inzwischen sieht es dort aber anders aus. Es ist an Hand von Luftbildern ein recht großes Stellungssystem rekonstruiert worden, das immer noch erweitert wird.

Ganz interessant anzusehen (Fotos aus April 2012) und auch mit entsprechenden Infotafeln bereichert:




Im Hintergrund sieht man den Kanonenberg (Tannenwald) und La Justice (Raps). Dort verlief die deutsche vorderste Linie.






Die Karte stammt aus April 1917

Die DFFV war 2006 dort:

La Main de Massiges



Zuletzt von MortHomme am So 4 Nov 2012 - 20:09 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet

Admin

avatar
Admin
....Soviel zum Thema "Fachmann".... Very Happy
Vielen Dank für Deine tollen Ausführungen!

Wie wars denn an der Front?


_________________
Liebe Grüße

René

René Reuter - [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]
http://verdunbilder.forumieren.com

Gast


Gast
Anstrengend wars. Es hat zudem die ganze Zeit in Strömen geregnet. Wir sind wieder ein Stückchen weiter Richtung Osten vorgestoßen, wenn auch nicht so weit, wie wir uns erhofft hatten. Ohne immer neue Herausforderungen würde es aber auch irgendwann langweilig.

Ich habe Dir eine PN geschrieben und angeregt, hier eine eigene Ober-Rubrik draus zu machen und jeden Beitrag als separates Thema auszugestalten. Da kann man dann mehr Interessantes draus machen. Ansonsten wird es irgendwann unübersichtlich, besonders, wenn man einzelne Berichte später mal mit Antworten ergänzen möchte.

Meine Signatur wird nicht mehr übernommen ...

Arne B.

avatar
Hallo Jungs
Hier mein Betrag zum Thema Freilichtmuseum. Der Totengraben bei Diksmuide in Flandern ist ein schönes Beispiel. Ein kleines aber liebevoll eingerichtetes Museum ist dort angegliedert.
Gruß Arne [img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img][img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können][/img]

Arne B.

avatar
Natürlich kann so ein Museum eine Wanderung durch die Schluchten von Verdun nicht toppen.
Ich halte mich am liebsten an die Karten der Regimentsgeschichten und durchwandere die Wälder. was für mich auch einen spirituellen Aspekt hat. Denn nur wer alle Schluchten von Verdun durchwandert hat, kann kann diesen Wahnsinn erst richtig erkennen.
Gruß Arne

Wally

avatar
Die Idee mit dem eigenen Oberthema finde ich gut; ich würde das unterstützen – vielleicht "Museen und Freilichtmuseen"?

Die Anlage am Lingekopf ist in der Tat zu „künstlich“. Offenbar wurde dort – wie auch in Diksmuide, Boezinghe (Yorkshire-Trench; siehe erstes Bild) oder auf der Vimy-Höhe (hat jemand Bilder und Eindrücke von dort?) vor allem Wert darauf gelegt, die noch vorhandenen Reste zu restaurieren bzw. einen ungefähren Eindruck vom einstigen Aussehen zu vermitteln.

In den neueren Anlagen bei Massiges bzw. im Moreau-Lager scheint man sich dagegen an einer insgesamt möglichst authentischen Rekonstruktion zu versuchen – was den Bildern zufolge ganz gut gelingt, soweit man das aus der heutigen Warte beurteilen kann. Jedenfalls wirken die Versteifungen der Grabenwände dort realistisch, während ich mich nicht erinnern kann, auf zeitgenössischen Fotos je „Betonsandsäcke“ zur Stabilisierung von Grabenwänden gesehen zu haben. Beim Bunkerbau wurden diese dagegen tatsächlich verwendet; am Hartmannsweilerkopf beispielsweise sieht man teilweise noch die Maserung des längst verrotteten Stoffs bzw. die Nähte. Dort gibt es am Gipfel auch einen offenbar rekonstruierten französischen Graben (siehe zweites Bild).

Auch der Bayernwald südlich von Ypern wirkt recht authentisch (drittes Bild); und den Bildern im Netz nach entsteht auch in Mogeville östlich von Verdun (Richtung Étain) eine ganz gute Anlage. War jemand von Euch in jüngerer Zeit dort? Und kennt jemand weitere Freilichtmuseen der einen oder der anderen Art? In Flandern gibt es, meine ich, noch mindestens eines (allerdings umstritten: Hill 62); an der Somme meine ich auch. Und wenn man über die Westfront hinausblickt: Auch in den Dolomiten wird meines Wissens rekonstruiert.

Wally


Boezinghe (Yorkshire-Trench): Die Holzkonstruktion ist ein rekonstruierter englischer "A-Frame", auf diese Weise wurden Grabenwände abgestützt und gleichzeitig ein Abflusssystem unter dem begehbaren Boden geschaffen. Rechts davon wurde der Verlauf eines älteren Grabens sichtbar gemacht; die hellere Verbindung zwischen den beiden Gräben markiert den Zugang zu einem Stollen, der noch intakt, aber geflutet ist.

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

Hartmannsweilerkopf (beim Gipfelkreuz)

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

Bayernwald (zwischen Kemmel und St. Eloi): Wie in Messines und im Moreau-Lager wurde hier offenbar versucht, unter Verwendung authentischer Materialien und Bauweisen ein realistisches Aussehen zu rekonstruieren. Die bei meinem Besuch 2007 bereits sichtbaren Schäden an den damals recht neuen Gräben machen deutlich, dass deren Unterhalt damals auch ohne Kampfhandlungen einen enormen Aufwand bedeutet haben muss. Das Bauprinzip entspricht dem der oben sichtbaren englischen "A-Frames".

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

Gast


Gast
Hallo Wally,

Betonsandsäcke wurden selten verwendet. Soweit man solche Überreste findet, handelt es sich meist um liegen gelassene Zementsäcke, die mit der Zeit auch hart wurden und an denen der Stoff verrottete. Gleichwohl nimmt man auch jetzt solche Säcke, einfach um eine längere Haltbarkeit zu bekommen. Da habe ich auch keine Bedenken bezüglich der Authentizität.

Hill 62 bei Ypern ist mit Vorsicht zu genießen. Zwar mögen die Gräben so an Ort und Stelle verlaufen sein, nur haben sie sicher nicht dergestalt ausgesehen, wie es suggeriert wird. Das angegliederte Museum ist eine größere Krimskramsbude als die von dem holländischen Humandetektor in Romagne. Ich war das letzte Mal 2009 dort.

An der Somme kenne ich den Newfoundland Memorial Park, dort war der so genannte deutsche Y-Graben.

Newfoundland Memorial Park

Die Position ist recht interessant, kann man hier nämlich in einem größeren Bereich ein Stück Somme-Schlachtfeld nachempfinden und auch erkennen, wie günstig die Deutschen selbst kleinste Geländeeinschnitte nutzten.

Vimy sieht im touristisch erschlossenen Bereich oben etwa aus wie Diksmuide, alle Stellungen sind mit Beton-Sandsack-Imitaten ausgebaut, wobei man auf Vimy auch ein Stück der Stollen- und Minenkriegsanlage besichtigen kann. Das ist interessant. Dort war ich erst einmal, sicher vor mehr als 10 Jahren, ich weiß also nichts Genaueres. Jedenfalls wurden dort die Minenstollen vor einigen Jahren umfangreich und mit großem technischen Aufwand erforscht. Bei Youtube gibt es viele sehr interessante Filmchen darüber, bspw.

Vimy

Von Vimy aus nicht weit entfernt ist die Loretto-Höhe. Auch dort ist ein Museum mit angeschlossenem "Erlebnispark", wobei auch diesbezüglich eher an Phantasialand zu denken ist. Das Museum hatte damals eine Vielzahl dieser aus Holz gefertigten Dioramen, mit denen man dreidimensionale Eindrücke erzeugt. Das fand ich sehr spannend. Der große französische Friedhof dort ist auch sehenswert.

Über die Gegend um Arras und die dortigen Kämpfe schreibt Edlef Köppen in seinem Roman Heeresbericht. Das ist für mich das eingängigste und beste Buch über die Erfahrungen der einfachen Soldaten im Ersten Weltkrieg, bei dem man die tatsächlichen und emotionalen Eindrücke der armen Jungs am deutlichsten und fesselnsten erfassen kann. Fängt man einmal an zu lesen, hört man nicht wieder auf. Da kommt literarisch bei Weitem weder Jünger noch Remarque ran, von Renn ganz zu schweigen.



Wally

avatar
Hallo Stefan,

originale Betonsandsäcke habe ich auch nur selten gesehen; spontan fallen mir der in diesem Kontext bereits erwähnte Hartmannsweilerkopf (Bild) sowie der Buchenkopf ein. Und nicht zuletzt Deiner Beiträge haben wir jetzt ja schon eine ganz nette Sammlung von Freilichtmuseen ...

Viele Grüße -

Wally

[Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.]

Gast


Gast
Hier das Bild für den Hartmannsweilerkopf und den Sandsäcken...

das Bild entstand am Unter Rehfelsen

Gesponserte Inhalte


Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben  Nachricht [Seite 1 von 1]

Befugnisse in diesem Forum
Sie können in diesem Forum nicht antworten