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Hilsenfirst

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1 Hilsenfirst am Mi 24 Okt 2012 - 21:48

Wally

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Im Gegensatz zu den bekannten und gut erschlossenen Schlachtfeldern am Hartmannsweilerkopf und am Lingekopf ist der Hilsenfirst weitgehend unbekannt.

Der Hilsenfirst liegt auf dem Bergrücken, der das Münstertal vom Lauchtal trennt und sich vom Markstein (an der Route des Crêtes) zum Petit Ballon erstreckt. Nachdem sich die Front im Sommer 1915 nach schweren Kämpfen (im Rahmen der französischen Operationen gegen Métzeral und Munster, darunter die Schlacht am Lingekopf) dort stabilisiert hatte, bildete der 1274 m hohe Hilsenfirst meines Wissens den höchsten Punkt der Westfront.

Der Boden auf dem Kamm des Hilsenfirst erinnert an den umgepflügten Boden auf den Schlachtfeldern bei Verdun, wie man selbst bei Google Earth sehen kann (ein Link findet sich auf Hilsenfirst.fr).

Interessant sind insbesondere die Reste der deutschen Stellungen am Hinterhang (oberhalb der Ferme Lechterwand) sowie das offenbar besonders stark umkämpfte nördliche Ende des Kamms. Neben zahlreichen Gräben findet sich unter anderem ein mit den üblichen Holzbohlen verschalter Stollen, der einige Meter weit noch praktisch vollständig intakt ist (ob eine Begehung allerdings eine gute Idee ist, ist eine andere Frage).

Im Gegensatz zu anderen schwer umkämpften Bergen in den Vogesen wurde am Hilsenfirst offensichtlich sehr wenig Beton verbaut. Zu den wenigen Ausnahmen gehören drei verbunkerte Minenwerfer mit charakteristischer Bauweise (die man auch am Sudelkopf findet). Eine Erklärung dafür könnte die Abgelegenheit des Hilsenfirst sein, die es möglicherweise unmöglich machte, größere Mengen von Beton dort anzuliefern, wenngleich es aufwändige Seilbahnanlagen in der Nähe gab. Die Kämpfe jedenfalls waren nicht weniger intensiv als - soweit mir bekannt ist - am Sudelkopf oder am Buchenkopf, um ebenfalls weniger bekannte Vogesenberge zu nennen.

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2 Re: Hilsenfirst am Do 25 Okt 2012 - 17:15

Gast


Gast
Hallo Wally, das Bild mit der Holzverschalung war der Ulanenbahnhof....

3 Re: Hilsenfirst am Do 25 Okt 2012 - 17:19

Gast


Gast
Noch einen Nachtrag: Der Violenkopf ist sehr interessant.....

Schwimmbad



mehr Bilder unter www.hk1418.de - Führungen

4 Re: Hilsenfirst am Do 25 Okt 2012 - 19:10

Wally

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Hallo HK1418,

das mit dem "Ulanenbahnhof" hat mir HP auch schon einmal gesagt. Weißt Du, woher diese Information stammt?

Ich habe da gewisse Zweifel, denn in der "Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen" von Sproesser heißt es - mit Bezug auf den Zustand der Stellungen - auf S. 172f: "Besonders schlimm war es im Ulanenbahnhof, einem sehr tief liegenden Unterstand auf Hilsenfirst-Süd."

Nun kenne ich die damaligen Bezeichnungen der einzelnen Abschnitte am Hilsenfirst nicht, doch rein geografisch gesehen liegt der Stollen mit der schönen Holzverschalung meines Erachtens deutlich nördlich des Gipfels, etwa auf Höhe der Ferme Lechterwand oben am Hang. Unter "Hilsenfirst-Süd" würde ich einen Abschnitt südlich des Gipfels vermuten. Immerhin gab es ja damals mit Sicherheit zahlreiche weitere Unterstände.

In Daniel Roess' brandneuem Buch "Hautes-Vosges 1914-1918. Les témoins" habe ich im Kapitel zum Hilsenfirst gerade gelesen, dass Stollen nach dem Krieg aus Sicherheitsgründen bewusst unzugänglich gemacht wurden. Insofern wäre es schon ein großer Zufall, wenn der eine so gut erhaltene Stollen gerade der besagte "Ulanenbahnhof" wäre.

Und warum machen wir nicht für den Violenkopf ein eigenes Thema auf? Zu sagen gibt es dazu sicherlich genug. Vielleicht kannst Du ja von der IG-Führung berichten (ich war nicht dabei).

Viele Grüße -

Wally


5 Re: Hilsenfirst am Fr 26 Okt 2012 - 21:51

Wally

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In "Infanterie greift an. Erlebnis und Erfahrung" (1937) beschreibt Erwin Rommel seinen Einsatz als Kompanieführer einer württembergischen Gebirgskompanie am Hilsenfirst Anfang 1916. Stefan zuliebe bezieht er sich in diesem Zusammenhang auch auf die Argonnen (S. 110):

"An der Vogesenfront übernimmt die 2. Komp. in der Silvesternacht von bayrischer Landwehr den Abschnitt Hilsenfirst Süd. [...]
Der neue Kompanieabschnitt ist 1800 m breit und hat zwischen dem rechten und dem linken Flügel einen Höhenunterschied von 150 m. Vor der Front befinden sich starke Hindernisse, darunter eines, das bei Nacht elektrisch geladen wird. Eine durchlaufende Besetzung der Stellung ist bei dieser Breite unmöglich. Einige besonders beherrschende Stellungsteile werden als Stützpunkte ausgebaut. Jeder einzelne bildet eine kleine Festung für sich mit Verteidigungsmöglichkeiten nach allen Seiten, mit Munitions-, Verpflegungs- und Wasservorrat. Im Stollenbau werden die reichlichen Erfahrungen aus den Argonnen verwertet: mindestens zwei Ausgänge, sehr starke Eindeckung!
Die feindliche Stellung liegt nicht, wie in den Argonnen, auf Handgranatenwurfweite, sondern nähert sich nur am rechten Flügel und in der Mitte (beim sogenannten französischen Köpfle) unserer Linie auf etliche hundert Meter. Die übrigen feindlichen Stellungsteile liegen weit entfernt am Rand eines zusammenhängenden Waldgeländes. [...]
Im September [1916] kommt die Konpanie in die Blößenstellung am Nordhang des Hilsenfirst. Hier liegen die Franzosen nahe gegenüber. Artillerie- und schweres Minenfeuer setzt uns täglich hart zu."

Im Anschluss an diese Passage beschreibt er ein (erfolgreiches) Stoßtruppunternehmen am "Latschenköpfle", wo der Kamm des Hilsenfirst steil ins Fechttal abfällt.

Die Karte zeigt den Frontverlauf im Bereich des Hilsenfirst ("Bilder zur Geschichte der Württembergischen Gebirgsschützen. Der Regimentsgeschichte zweiter Teil", 1928). Nach Norden schließt sich unmittelbar der Reich(s)ackerkopf an; Munster liegt ebenfalls knapp außerhalb des Kartenausschnitts (rechts oben). Das unten sichtbare Lauchtal mündet bei Guebwiller in die Rheinebene.

Auf der Karte sieht man auch vier Seilbahnanlagen. Soulzbach liegt im unteren Münstertal, einige Kilometer östlich des Kleinen Belchen (= Petit Ballon); Rouffach am Rand der Rheinebene. Reste einer Zwischenstation (vermutlich) der nördlichsten der drei Bahnen sind in Sichtweite der kleinen Straße von Wasserbourg auf den Petit Ballon erhalten; ein zeitgenößisches Bild findet sich im oben zitierten Buch von Roess, S. 81. Ein Bild einer Station der Bahn direkt zum Petit Ballon findet sich hier: [Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um diesen Link sehen zu können]

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6 Re: Hilsenfirst am Sa 27 Okt 2012 - 11:25

Gast


Gast
Hallo Wally,

danke für den Hinweis!

Kleiner Exkurs ...

Der Rommel hat Ende Januar 1915 in den westlichen Argonnen als Leutnant (Kompaniechef 9./124) bein einem Sturmangriff Richtung Dieusson-Mulde sein EK 1 erworben. Nach einer Verwundung wurde er dann im Oktober 1915 zum Württ. Gebirgsbataillon versetzt und in den Vogesen eingesetzt.

Auszug aus der Regimentsgeschichte: Das Infanterie-Regiment König Wilhelm I. (6. Württ.) Nr. 124, H. Flaischlen, Stuttgart 1921

7 Petit Ballon am Sa 27 Okt 2012 - 12:00

Wally

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Der in Luftlinie 3,5 Kilometer nordöstlich des Hilsenfirst liegende Petit Ballon (auch "Kleiner Belchen" oder "Kahler Wasen") bildete ebenfalls einen Teil des deutschen Stellungssystems in diesem Abschnitt.

Auf dem Gipfel (1272 m) finden sich einige Gräben und die Reste von zwei betonierten, eher schlecht erhaltenen Bunkern, deren große Scharten nach Westen ausgerichtet sind (Richtung Hilsenfirst bzw. Grand Ballon). Möglicherweise handelte es sich um Geschützbunker.

Ein Reiseführer von 1920 verweist auf die deutsche Militärstraße, die vom Col de Firstplan zum Col de Boenlesgrab und von dort bis unter den Gipfel des Petit Ballon angelegt wurde (sie existiert heute noch), und auf Stollenanlagen für "über 1000 Mann" an der sehr steil abfallenden Ostseite des Berges (Absturzgefahr!).

Die Stollen wurden, soweit heute noch erkennbar, auf zwei Ebenen übereinander angelegt und sind teilweise im Fels miteinander verbunden. Aufgrund der Steilheit des Hangs wurden teilweise balkonartige Betonplattformen gebaut, um den Zugang zu ermöglichen. Einige der Eingänge sind durch vorgelagerte, betonierte Galerien geschützt. Die geradeaus in den Berg führenden Zugangsstollen erreichen nach geschätzt zehn Metern die eigentlichen Stollen, die eine Breite und Höhe von mehr als zwei Metern aufweisen. Auf dem Boden liegen größere Mengen altes Holz, vielleicht Reste von Pritschen? Unterhalb der Anlagen ist eine Geröllhalde zu sehen, vermutlich das beim Bau angefallene Material. Die Zahl von "über 1000 Mann" erscheint angesichts der erhaltenen Stollen durchaus glaubhaft.

Es ist anzunehmen, dass diese Stollen als Unterkunft für Reservetruppen für die Hilsenfirstfront dienen sollten.

Auf Google Earth ("Petit Ballon" eingeben) scheint man die Zugänge zu den Stollen sowie die Geröllhalde zu sehen (jenseits des Abbruchs unmittelbar östlich des Gipfels, jenseits der Grasfläche).

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8 Rommel am Sa 27 Okt 2012 - 12:10

Wally

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Hallo Stefan,

da haben sich unsere Beiträge überschnitten. Danke jedenfalls für die Info zu Rommel in den Argonnen; ich hatte mir schon gedacht, dass er selbst dort war und Du das natürlich weißt.

Eine Frage habe ich noch zu den in der Regimentsgeschichte erwähnten "Stoßtrupps": Waren das speziell ausgebildete und ausgerüstete Soldaten (wie in den späteren Sturmbataillonen), oder einfach dafür eingeteilte Soldaten? Im Januar 1915 war der Stellungskrieg ja noch recht jung.

Viele Grüße -

Wally

9 Re: Hilsenfirst am Sa 27 Okt 2012 - 13:07

Gast


Gast
Hallo Wally,

danke für die Antwort.

Sturmtrupps, später als spezielle Gruppe Stoßtrupps genannt, gab es eigentlich ab Beginn des Stellungskrieges, also jedenfalls ab Ende 1914 und nicht erst, als Herr Wilhelm Rohr an der Westfront entsprechend auf den Plan trat. Es waren in jeder Kompanie ausgewählte, sehr fitte und abgebrühte Soldaten, die als erste Angriffswelle möglichst schnell vorstoßen und/oder neuralgische Punkte ausschalten sollten. Eine spezielle Ausrüstung oder spezifische Ausbildung hatten diese Männer anfangs nicht. Es war zunächst einfach die erste Angrifsswelle, der die Masse nachfolgte und niedergekämpfte feindliche Stellungsteile dann besetzte. Nur musten diese Soldaten natürlich nicht die komplette Ausrüstung mitführen. Aus den Anforderungen der Praxis ergab sich dann wohl von selbst eine spezielle Ausrüstung, neben Handgranaten besonders Grabendolch und Grabenkeule. Schilderungen von Sturmangriffen hören sich in den Büchern immer so steril und automatisiert an. Es war aber vielfach brutalstes Abschlachten. Will man sich eine Vorstellung von dem Gemetzel machen, kann man sich die einzig sehenswerte halbe Stunde aus dem Film Passchendaele ansehen.

10 Re: Hilsenfirst am Sa 27 Okt 2012 - 13:50

Arne B.

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Hallo Jungs
Zum Thema Sproesser und Ulanenbahnhof.
Sproesser war sehr schwierig, da er sehr sehr sehr adeliger Abstammung war und immer eine vorgewärmte Stube und eine Extrawurscht vorfinden wollte. Eigentlich ein Etappenhengst. Rommel war immer vorne dabei. Wie auch im Wüstenfeldzug während des 2. Weltkrieges.
Rommel war bürgerlich und wurde mit dem Pour le merite ausgezeichnet. Sproesser als Adeligen hat das gestunken. Denn nur die Leute vom Adel durften Helden sein. Das normale Volk war ja nur Pöbel und als Kanonenfutter bestens geeignet. Siehe auch den ersten Tag der Somme Offensive auf der anderen Seite . Die Kumpelregimenter wurden als erste verbraten, da in ihnen viele Bergarbeiter un Sozialisten waren.
Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende.
Gruß Arne

11 Re: Hilsenfirst am So 11 Nov 2012 - 8:13

Wally

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Hallo,

auf dieser holländischen Seite gibt es zahlreiche und sehr gute Fotos aus den Vogesen, vom Hartmannsweilerkopf bis zum Col de Chapellotte; darunter im unteren Drittel einige von einem der Stollen am Petit Ballon sowie einer der Seilbahnstationen (nicht der, von der ich ein Bild eingestellt habe):

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Viele Grüße -

Wally

12 Re: Hilsenfirst am So 11 Nov 2012 - 18:24

Bunkergucker


Genialer Link... study

13 Re: Hilsenfirst am Di 27 Nov 2012 - 18:40

Arne B.

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Hallo Jungs
Ich habe hier noch ein Interessantes Dokument von 1915. Es zeigt das Schwimmbad welches weiter oben gezeigt wird.
Viel Spass[img][Sie müssen registriert oder eingeloggt sein, um das Bild sehen zu können.][/img]

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