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Dr. Benno Benjamin Hallauer - Explosionskatastrophe im Fort Douaumont 08.05.1916

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Gast


Gast
Hallo,

hier einige wenig bekannte Infos zu dem Arzt für Frauenheilkunde Dr. Benno Benjamin Hallauer:



Link:   Dr. Benno B. Hallauer   :Link

Dr. Hallauer erlebte als Stabsarzt die Explosionskatastrophe am 08.05.1916 im Fort Douaumont, bei der mehrere 100 deutsche Soldaten ums Leben kamen. Er fertigte einen ausführlichen Bericht zu den damaligen Geschehnissen. In den 1920er und 1930er Jahren leitete er eine der größten Privatkliniken Berlins. Durch die Repressionen der Nationalsozialisten und eine daraus hervorgehende 9-monatige Haftstrafe verlor er 1937 die Klinik durch Zwangsversteigerung und arbeitete in der Folge an einem jüdischen Krankenhaus in Breslau. 1943 wurde er mit seiner Frau nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Viele namhafte Zeitgenossen setzten sich für ihn und seine Familie ein, dies auch hinsichtlich einer möglichen Emigration in die USA. Dazu gehörte Prof. Dr. Albert Einstein, mit dem er einen teilweise erhaltenen Schriftwechsel führte, sowie Cordt von Brandis. Die Bemühungen waren leider vergeblich.

Der Bericht zur Explosionskatastrophe ist in Kurt Fischers Buch  Berichte aus dem Fort Douaumont  abgedruckt.

Dort, wo sich unter der damaligen Berliner Anschrift Schiffbauerdamm 31-32 in den 1920er und 1930er Jahren die von ihm geleitete Privatklinik befand, steht heute das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, in dem die Bibliothek des Deutschen Bundestages eingerichtet ist. Das Klinikgebäude wurde bereits 1940 abgerissen im Zuge der Umplanung Berlins unter der Leitung von Albert Speer. In der Bibliothek des Bundestages steht zur Erinnerung seit 2001 eine durch Wieland Förster geschaffene Büste von Dr. Benno Benjamin Hallauer.

In den 1990er Jahren kam eine Diskussion auf, ob es sich bei dem im Douaumont täig gewordenen Arzt tatsächlich um Dr. Hallauer oder vielmehr um einen Dr. Wilhelm Hanauer aus Frankfurt handelte. Diese Theorie wird aktuell wieder kolportiert im Buch von Olaf Jessen zum Thema Verdun, wobei dort - wenig seriös - auch weitere längst widerlegte "Grabengeschichten" garniert werden, wie bspw. diejenige des Feldwebels Kunze, der sich nach seinem Eindringen in den Douaumont am 25.02.1916 erst einmal an Eiern und Rotwein gelabt habe, dann eingeschlafen sei, um sodann in den 1920er Jahren seine eigenen Heldentaten bei der Einnahme des Forts plötzlich zu erinnern und medienwirksam bekannt zu machen.

Hintergrund der Diskussion auch bei Jessen ist es, dass in diversen Publikationen der Name des Dr. Benno B. Hallauer offenbar mit Hanauer falsch wiedergegeben wurde, so auch in der deutschen Ausgabe eines Berichts des Deutschen Erinnerungskomitee Argonnerwald e.V. unter der Reihe "Informationen für Schlachtfeldbesucher"aus den 1990er Jahren. Verarbeitet wurde seitens Adi Buchner die im BA-MA in Freiburg vorhandene Abschrift des Originalberichts des Dr. Benno Hallauer, so dass in der französischen Ausgabe der Vereinspublikation auch korrekt von Dr. Hallauer die Rede ist. Unverständlich ist es, dass im Online-Register des Archivs heute noch falsch die Rede von dem Stabsarzt Hanauer ist. Der Bericht von Dr. Hallauer hat folgenden Kopf:



Offenbar hat sich Jessen nicht einmal die Mühe gemacht, diesen Originalbericht beizuziehen, der - soweit mir Schilderungen von Cordt von Brandis bekannt sind - durch Dr. Hallauer bereits am 10.05.1916 an den Kommandeur der 5. Infanterie-Division, III. AK, gerichtet worden war.

Das Buch von Jessen ist allein wegen solcher Fraglichkeiten mit Vorsicht zu genießen. Vielleicht findet Jessen sich bereit, diesen Punkt und einige andere in geeigneter Weise klarzustellen. Ich werde ihm bei Zeiten eine Mail hierzu schreiben.



Zuletzt von MortHomme am Di 19 Aug 2014 - 19:47 bearbeitet; insgesamt 15-mal bearbeitet

Der Gonzo


Moin Moin



Sehr interessanter Bericht!




Gruß
Werner

JulianJ

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Gut zu wissen was das Buch von Jessen angeht.
Ich hatte die Dinge bisher so für bare Münze genommen, auch die Geschichte mit dem Sturm auf den Douaumont.

Gast


Gast
Die Geschichte um Brandis, Radtke und Kunze ist ein eigenes Thema wert. Im BA-MA ist durch Radtke der gesamte Schriftverkehr mit dem Reichsarchiv, diversen Ministerien und sonstigen Behörden sowie Mitämpfern hinterlegt. Man muss diese Zeitzeugenberichte nur lesen und sollte das auch tun, bevor man ein Buch zum Thema verfasst.

amigo

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Ein interressanter Bericht.
Allgemein mal einen Dank an Stefan alias MortHomme für die wertvollen Informationen im Felde wie auch der Hintergründe und das er es mit uns teilt.

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